Andacht - Maikäfer flieg

„Maikäfer flieg,
der Vater ist im Krieg,
die Mutter ist in Pommerland,
Pommerland ist abgebrannt,
Maikäfer flieg.“
Dieses Kinderlied stammt aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Es sagt viel über die damalige Situation aus. Es spricht vom Krieg, von abgebrannten Dörfern, von Vertreibung und Verschleppung und von der Einsamkeit der Kriegskinder.
Paul Gerhardt ist so ein Kind des Krieges. Er hat die Schrecken des Krieges hautnah erlebt. Hat liebe Menschen verloren, seine Familie. In dieser schlimmen Zeit hat er das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ gedichtet.
Sie hören es: Das Lied ist eine Einladung. Bleib nicht gefangen im schweren Alltag. Bleib nicht gefangen in Resignation und Mutlosigkeit, sondern: Geh aus dir selbst heraus, schau genau hin, es gibt noch mehr als nur das Jammern. Schau, was Gott dir alles an Schönem in seiner Schöpfung anbietet. Du musst es nur entdecken.
Paul Gerhardt lädt ein, zu schauen, zu hören, zu tasten, zu riechen und zu schmecken, wie gut es Gott mit uns meint. Ich weiß nicht, wie es Ihnen manchmal geht. All das, was Paul Gerhardt erwähnt, ist so selbstverständlich für mich. Ich bemerke es gar nicht mehr. Das Lied fordert auf, meine Sinnesorgane zu benutzen und dadurch Gott neu zu entdecken.
Das Lied bleibt aber nicht dabei stehen, auf die Schöpfung aufmerksam zu machen.
Es fordert auch auf, auf die Schönheit der Schöpfung zu antworten, zu reagieren. Es lädt ein, selbst die Freude auszudrücken. Wenn wir dieses Lied singen, dann will man diese Freude ja auch gerne laut hinausrufen.
Paul Gerhardt kommt in seinem Lied aber auch ins Philosophieren. Er überlegt: Wenn Gott unsere Welt schon so schön gestaltet hat, wie wird es erst in der Ewigkeit bei Gott sein! Es ist wohl ein Spekulieren, aber seine Worte sind so stark, dass sie dem Lesenden Sicherheit und Gewissheit über das Danach geben. Das wirkt.

Im Lied wächst der Wunsch, dass man doch schon dort sein möchte. Aber dann kommt die Rückbesinnung zur Realität, auf unsere Realität. Gottes Ewigkeit kommt erst noch auf uns zu. Jetzt sind wir aber noch hier. Aber das Wissen um die Ewigkeit gibt mir die Kraft und Freude, in der Diesseitigkeit zu leben und zu wirken.
Ich als Mensch kann selbst wie eine Blume zur Freude anderer erblühen. Ich kann für andere zu einem Baum werden, an den man sich lehnen kann, kann Früchte hervorbringen, die anderen helfen, Gott in unserer Welt zu entdecken.
So möchte ich Sie einladen, aus der Freude über die Schöpfung heraus und mit dem Wissen um eine noch schönere neue Schöpfung in der Ewigkeit selbst mit Freuden zu leben. Ich möchte Sie einladen, die Freude als Geschenk Gottes immer wieder neu zu entdecken und weiterzugeben.

Ich wünsche Ihnen einen blühenden Sommer. Bleiben Sie behütet und gesegnet durch Gott unseren Herrn,
Ihr Pfarrer
Herwig Dinter